Es war einmal ...

So ganz stimmt das nicht, denn es ist ja noch ...

dort im Schloss Freiland, in den Bergen von Niederösterreich, da lebt ein Schlossgespensterfräulein. Kathy, so heißt die junge Dame, will immer das Beste für ihre ‚Mitbewohner‘ und so kommt es wie es kommen muss, denn Kathy kann in ihrem Übermut schon so manches durcheinanderbringen. Direktor Christian und seine Gäste erleben da eine Überraschung nach der anderen.

Wozu braucht ein Gespenst Vanillezucker? Was macht ein Lama im Wald, warum blühen Blumen im Winter und wie kommt ein Bild ins Hallenbad? Diese und weitere Geschichten rund um Kathy das freche Schlossgespenst, finden sich in diesem Buch.

Das Buch ist liebevoll illustriert und für jede Altersgruppe, von 2 bis 110 Jahren bestens geeignet.

 

http://www.karinaverlag.at/products/kathy-das-freche-schlossgespenst-von-schloss-freiland/

 

Leseprobe

Was essen Schlossgespenster?

Den alten Sagen und Märchen nach sind Schlossgespenster irgendwelche Menschen, die einmal dort lebten, wo sie herumspuken, aber eben bereits tot sind. Also keine lebenden Menschen, so wie du und ich. Somit brauchen sie auch keine Nahrung.

Das ist natürlich nicht so. Naja, vielleicht gibt es irgendwo doch solche Gespenster, denn die Märchen und Sagen müssen ja einen Ursprung haben.

Aber im Fall von Kathy stimmt das keinesfalls.

Kathy ist ein Gespensterkind aus einer richtigen Gespensterfamilie. Also mit einer Gespenstermama und einem Gespensterpapa. Auch Gespenstergeschwister gibt es. Aber die Familie lebt in verschiedenen Schlössern.

Als Kathy ihre Gespensterschule fertig hatte und groß genug war, um auf eigenen Beinen zu stehen, ist sie nach Schloss Freiland gezogen.

Das Turmzimmer und die Schatztruhe waren günstig zu haben, denn damals war das Schloss noch unbewohnt. Für Kathy eine gute Gelegenheit, denn Schloss Freiland liegt nicht so weit weg von ihrem Heimatschloss – nur knapp zwei Schwebestunden.

Mensch ist Kathy natürlich keiner, auch kein Tier. Sie ist eben einfach – ein Schlossgespenst.

Kathy ist es auch wichtig, welche Kleider sie trägt. Besonders gerne mag sie solche aus weichem Stoff, die sich zart auf der Haut anfühlen. Natürlich bodenlang und mit einem weiten Rock, der beim Schweben so lustig um die Beine wirbelt. Die Ärmel mag sie lang und unten bei den Händen weit. Auch wenn sie manchmal damit an Zweigen oder Gegenständen hängenbleibt. Es sieht einfach schick aus.

Da es aber für Schlossgespensterkleidung keine Geschäfte gibt, näht sie diese selbst. Manchmal, wenn sie zu faul ist, aber ein neues Kleid möchte, dann borgt sie sich heimlich die Heftmaschine vom Direktor aus und heftet den Stoff einfach zusammen. Das hält zwar nicht lange, aber einen Tag übersteht das Kleid so schon.

Stoffe findet sie genug. Es gibt ja einige Vorhänge im Schloss. Zwar wundert sich Annemarie, die Hausdame, manchmal, dass wieder ein Vorhang in einem Zimmer fehlt oder ein Tischtuch verschwunden ist, doch auf den Gedanken, dass das kleine Schlossgespenst diese Dinge in Kleider verarbeitet, darauf kommt sie nicht.

Kathy hat natürlich auch Hunger und Durst. Sie ist ja ein Lebewesen. Und nun stellt sich die Frage, was sie gerne isst.

Also, am liebsten mag sie Vanillezucker. Das ist natürlich keine besonders gesunde Ernährung, aber es schmeckt einfach gut. Allerdings hat das eine grobe Auswirkung auf die Vorräte in der Küche. Immer wieder kommt es vor, dass sämtliche Dosen des würzigen Zuckers leergefuttert sind. In den Dosen findet sich dann immer nur ein Zettelchen mit folgenden Zeilen: „Es hat wunderbar geschmeckt, danke! Eure Kathy“

Obwohl das Schlossgespensterfräulein allerlei Unfug treibt, ist sie doch sehr beliebt beim Personal und so machen sich alle ziemliche Sorgen um die Gesundheit von Kathy, denn nur Vanillezucker, das ist auf Dauer doch nicht das Wahre.

Neue Rezepte werden ausprobiert, um Vitamine und wichtige Nährstoffe auf Kathys Speiseplan zu bringen. Karotten mit Äpfel in Blätterteig, Kohlsprossen auf Käsesauce, Erbsen in Backteig und vieles mehr.

Die Haustechniker haben für Kathy einen kleinen Tisch und einen Sessel gezimmert und für sie im obersten Fach des Regals einen schönen Essbereich eingerichtet. Die Teller mit den leckersten Gerichten stellen die Küchendamen dann auf Kathys Platz. Aber ob es ihr wirklich schmeckt, das ist schwer festzustellen, denn die kleine Dame speist immer um Mitternacht – aus alter Gewohnheit – und zu dieser Zeit befindet sich keiner mehr in der Küche.

Doch obwohl in der Früh Kathys Teller immer sauber abgewaschen auf der Anrichte steht, zeigt die Vorratsdose mit dem Vanillezucker, dass sie wieder genascht hat. Und in der Schüssel von Franz, dem Kater, finden sich Reste des nächtlichen Mahls.

„Wir müssen uns etwas ausdenken, damit Kathy sich gesünder ernährt, aber es nicht bemerkt“, ruft Marietta aus.

„Gut“, kommt eine Antwort aus der Runde. „Dann machen wir einen Wettbewerb für uns. Wer es schafft, für Kathy etwas zu kochen, das sie nicht dem Kater vermacht und das gesund ist, der bekommt eine ‚Gespenster-Chefkoch-Auszeichnung‘.“

Sofort stürzen sich alle auf die spannende Aufgabe…

© Karin Pfolz