Warum denken Gesunde oft, dass Menschen mit Einschränkungen nicht fröhlich sein können? Warum haben Gesunde Angst vor dem Umgang mit Behinderungen?

Dass solch ein Verhalten unnötig ist, beweist dieses Buch. Vollgefüllt mit lustigen und schönen Erlebnissen aus dem wahren Leben. Begegnungen der witzigen Art, die zum Lachen und zum fröhlich sein einladen.

Die Worte in diesem Werk stehen für ein Miteinander und sollen den Leser nicht nachdenklich machen, sondern einfach nur ein Lächeln herbei zaubern.

Die Geschichten entstanden teils durch Interviews mit Gästen vom Schloss Freiland, teils durch Beiträge der AutorInnen von "Respekt für Dich".

Das Buch wird ab Ende März ausgeliefert.

 

http://www.karinaverlag.at/products/warum-soll-ich-nicht-frohlich-sein/

 

http://www.amazon.de/Warum-nicht-fr%C3%B6hlich-Jedes-Atemzug/dp/3903056790/ref=pd_rhf_gw_p_img_1?ie=UTF8&refRID=0EGPS9MNQTH2Q57PXS7B


Leseprobe: Der orange Blitz
Nun war er endlich da, mein oranger Blitz. Sicher fragen Sie sich jetzt: Was ist ein oranger Blitz? Das ist nicht schwer zu erklären. Der orange Blitz ist mein neuer Rolli, auf den ich schon sehnlichst gewartet hatte. Mein altes Schätzchen musste leider die Segel streichen, da er sehr in die Jahre gekommen war.
War das eine Freude, als die Krankenkasse das Okay gab! Dann sollte es natürlich ein besonderes Gefährt sein. Wenn man schon auf den Rollstuhl angewiesen ist, sollte der fahrbare Untersatz schon ein Hingucker sein. Das war klar. Und so kam ich zu meinem orangen Blitz. Ein Rollstuhl mit Batterie, ein E-Fix, der abging wie die Post, da er erheblich leichter war als sein Vorgänger. Und dann noch die grell leuchtende Farbe! Sie stach sofort ins Auge und ich war mächtig stolz auf ihn, wenn man überhaupt auf einen Rollstuhl stolz sein kann. Ich muss nicht erwähnen, dass das Leben als Gehandicapter in der großen, weiten Welt nicht immer so leicht ist, aber er ermöglicht mir, am realen Leben teilzunehmen.
So machte ich nun unsere Gegend mit meinem Rennwagen unsicher, was der ein oder andere Passant nicht gerade lustig fand, wenn ich an ihm vorbeiflitzte. Man kann sich aber auch anstellen! Und welche Leute waren es, die immer motzten? Natürlich Erwachsene! Mein fahrbarer Untersatz hat zwar eine Hupe, aber hätte ich die benutzt, wäre ich noch schuld daran gewesen, wenn jemand einen Herzinfarkt bekommen hätte. Nein, das wollte ich nicht, also grinste ich die Leute einfach höflich an und tat so, als wenn nichts gewesen wäre.
Dann traf ich aber auf einen Menschen, der meinen Rolli genauso toll fand wie ich und überhaupt keine Berührungsängste damit hatte.
An einem schönen Sonntagnachmittag war ich im nahegelegenen Park unterwegs. Das Wetter war einfach traumhaft und deshalb nutzte ich die Gelegenheit, meinem Rollstuhl und mir etwas frische Luft zu gönnen. Leider dachten viele andere Menschen auch so. Es war reger Verkehr und ich musste wirklich aufpassen, niemanden über die Füße zu fahren. Auch hier durfte ich mir wieder strafende Blicke entgegenwerfen lassen, wenn ich und der böse Rollstuhl jemandem zu nahe kamen.
Ich machte einen kleinen Zwischenstopp an einer Bank, als auf einmal ein kleines Mädchen mit ihrem Opa vor mir stand. Die zwei kamen mir irgendwie bekannt vor. War das nicht der Herr, der sich vorhin beschwert hatte, weil ich zu dicht an ihm vorbeigefahren war? So sieht man sich wieder.
Mit großen Augen musterte mich die Kleine. Wie Kinder so sind, wollte sie natürlich sofort wissen, warum ich in diesem Ding saß. Ich versuchte es ihr so kindgerecht wie möglich zu erklären. Ihr Kommentar war nur: „Ach so“ und damit war die Sache für sie erledigt. Kein Wieso, Warum, Weshalb. Würden die Großen doch auch einmal so einfach denken und nicht alles hinterfragen! Schließlich sucht sich so etwas keiner selbst aus.
Der ältere Herr wollte sein Enkelkind gerade zum Gehen animieren, als die Lütte, ihr Name war Pia, zu mir sagte: „Darf ich auch mal fahren?“
Ihr Opa wurde puterrot und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Ich musste schmunzeln. „Komm, wir müssen gehen“, sagte er zu ihr und zerrte an ihrem Arm, aber das Kind bewegte sich nicht vom Fleck.
„Opa, ich möchte auch mal so flitzen. Hast du gesehen, wie schnell sie an uns vorbeigesaust ist? Das macht bestimmt Spaß! Und dann ist es auch noch orange, meine Lieblingsfarbe.“
„Ja, das hat dein Opa gesehen“, dachte ich mir. „Deshalb musste er auch eine unqualifizierte Bemerkung ablassen.“
Er wollte gerade etwas sagen, da schnappte ich mir Pia und setzte sie auf meinen Schoß. Nun machte ihr Großvater große Augen und bekam kein Wort mehr heraus. Damit hatte er nicht gerechnet. Ich legte ihre Hand auf die Steuerung des E-Fix, meine Hand darüber und schon ging die Fahrt los.
„Schneller, schneller“, rief Pia und strahlte über das ganze Gesicht. Ich zeigte ihr die Hupe und sie hatte einen Heidenspaß dabei, jedes Mal auf den Knopf zu drücken, wenn wir Leute überholten. Sie war völlig aus dem Häuschen. Ich habe noch nie so ein glückliches Kind gesehen.
Und komischerweise fanden die Spaziergänger das jetzt auch nicht mehr schlimm. Kommentare wie „Schau mal, die Kleine, was die für einen Spaß hat!“ oder „Das ist ja toll!“ waren zu hören. Erstaunlich, wie rasch man seine Meinung ändern kann.
Als wir wieder bei ihrem Opa waren, strahlte sie über das ganze Gesicht. „Opa, Opa, das war so toll! Warum hast du vorhin geschimpft? War doch überhaupt nicht schlimm!“ Den Mut, darauf zu antworten, hatte er nicht.
Für mich und Pia war das ein wunderbares Erlebnis. Dieses unbekümmerte, kleine Mädchen! Sie sah nur den Menschen in mir, nicht den Behinderten. Ich kann mich nur wiederholen: Warum denken Erwachsene oft so kompliziert?
Hin und wieder treffe ich meine kleine Freundin. Dann drehen wir immer eine Runde mit dem orangen Blitz und haben gemeinsam Spaß.
© Britta Kummer