Geschichten für Groß und Klein ist eine Anthologie. Der gesamte Erlös kommt dem Henri Thaler Verein zugute. Dieser unterstützt krebskranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene finanziell und bietet organisatorische Hilfe an.
http://henri-thaler.de/
Alle Beteiligten stellten ihre Beiträge kostenlos zu Verfügung. Entstanden ist eine bunte Mischung unterhaltsamer Texte, die jedes Leserherz erfreuen wird.

http://www.amazon.de/Geschichten-Klein-Autorenfreunde-Britta-Kummer/dp/3734749425/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1421577172&sr=1-1

 

Leseprone: Ich möcht’ …

Ich möcht’ gern’ mal wieder

barfuß über eine Wiese laufen,

im Sonnenaufgang,

die kleinen Füße nass vom Morgentau.

 

Ich möcht’ gern’ mal wieder

am Bach spielen,

Frösche, Fische, Krebse jagen

und sein Wasser trinken.

 

Ich möcht’ gern’ mal wieder

nackt über den See schwimmen,

in der Abenddämmerung

und die Muscheln auf dem Grund erkennen.

 

Ich möcht’ gern’ mal wieder

im Mairegen tanzen,

durch die Pfützen springen,

ausgelassen albern sein.

 

Ich möcht’ gern’ mal wieder

den Berg erklimmen durch widerspenstiges Unterholz,

mit zerschrammten Armen und blutigen Knien

und mich fühlen wie ein Tier im Wald.

 

Ich möcht’ gern’ mal wieder

die Magie eines Blitzes fühlen,

Erregung und Donnergrollen tief im Leib

und dem Sturm ins Gesicht lachen.

Ich möcht’ gern’ mal wieder

die Welt spüren

und mich unbekümmert auf die Zukunft freuen,

die irgendwo hinterm Horizont auf mich wartet …

© Peter Jentsch

 

Leseprobe: Ein Tag am Strand

Wie freut man sich doch das ganze Jahr auf seinen wohlverdienten Urlaub. So auch bei uns. Die letzten Tage vor der Abreise gab es die allabendliche Diskussion: Was nehmen wir mit? Wird es warm? Regnet es nur? Alle Jahre wieder dasselbe Spiel und dann war Tag X endlich da. Urlaub in der zweiten Heimat „Ostsee“ – Endlich!

Da man natürlich wieder zu viel eingepackt hat, war ein logistisches Talent erforderlich, um alles im Auto zu verstauen. Aber was soll´s! War ja auch nicht neu. Die Fahrt zu unserer Zweitheimat war, abge-sehen von ein paar Verrückten auf der Autobahn, die das Spiel „Bummelzug zur Ostsee“ oder „Wer ist am schnellsten da“ spielten, recht entspannt und so stand einem ersten schönen Urlaubstag nichts mehr im Wege.

Da noch genügend Zeit war, ging es gleich zum Strand. Schließlich musste man nachschauen, ob das Wasser auch wirklich noch da war! Und tatsächlich, alles wie immer an Ort und Stelle.

Um uns etwas vom Radfahren zu erholen, wurde dann gleich mal die Qualität der Strandkörbe getestet. Und auch hier gab es nichts zu beanstanden.

Nun endlich das wohlverdiente Eis. Schließlich muss man sich ja stärken.

Das sah leider auch der gefiederte Freund aus der Luft so. Im Sturz-flug kam die Möwe auf mich zu. Was sollte das denn? Das war mein Eis und ich war nun wirklich nicht bereit zu teilen! Ich schlug mit den Armen um mich, wobei ich schon einen Teil meiner Lecke-rei verlor. Verärgert kreischte der Eisdieb auf und machte sich von dannen. Warum hatte der Vogel es eigentlich nur auf mich abgese-hen? Direkt neben mir gab es doch auch noch etwas, aber das schien das Tier nicht zu interessieren. Immer auf mich! Klein Spatz neben mir war der lachende Dritte und pickte in dem Eis herum. Wieder eine gute Tat für heute.

Nach all der Aufregung gönnten wir uns eine Abkühlung und stürz-ten uns in die Fluten, natürlich nicht allein! Neben uns planschte munter eine Runde ein etwas wohlgenährter Menschen. Was nicht weiter schlimm war, aber wenn eine Person davon testen musste, wie es war, eine Monsterwelle zu erzeugen, war das nicht wirklich lustig. Wir hörten nur einen Platsch und schon schossen Wasser-massen über uns. Der Verursacher hatte einen enormen Spaß daran, uns alle fast ertränkt zu haben. Ist es nicht schön, wenn man dazu beitragen kann, andere Leute glücklich zu machen?

Nun ging es dann, bis zur Rückkehr in die Unterkunft, wieder in den Strandkorb. Neben uns baute ein Kind mit seinem Vater eine Burg. Aber da ihm das auf die Dauer zu langweilig wurde, suchte der Nachwuchs sich eine andere Beschäftigung. Es wurde gebuddelt und gebuddelt, wobei Papi weiter unter Beweis stellte, dass er der König der Sandburgen war.

Irgendwann hatte sich Junior auch bis zu unserem Strandkorb durchgegraben. Doch als Papi dann rief: „Max, einpacken, es geht nach Hause!“ schaute der Junge uns mit erhobener Schaufel in der Hand an und seufzte: „Geschafft! Endlich Feierabend!“ Ja ja, nach so einem arbeitsreichen Tag freut man sich auf den wohlverdienten Feierabend. Wir konnten den Jungen gut verstehen. So ein Tag am Strand fordert einen wirklich.

Dieser Urlaub konnte nur schön werden. Das stand völlig außer Frage. Qualitätsprüfung eines Strandkorbes durchgeführt. Eisdieb aus der Luft vertrieben. Mit einem kleinen Vogel geteilt, und dadurch ganz klar bewiesen, dass man ein Herz für Tiere hat. Man wäre fast ertrunken, aber halt nur fast. Und eine neue Tierart ken-nengelernt: Max, der Sandwurm. Da soll noch einmal jemand sagen, Urlaub in Deutschland sei langweilig. Wenn das nicht ein guter Start in den Urlaub war, wissen wir es auch nicht!

© Dorothea Squar