Für diese Anthologie haben sich 13 verschiedene Autoren zusammengetan, um zu schreiben und einen kleinen Beitrag für die Flüchtlingshilfe zu leisten.

Sprache ist ein wichtiger Schlüssel für eine gelungene Integration.

In dieser Veröffentlichung finden sich Texte von Christine Erdic, Karin Hofer, Sonja Kaboth, Bernadette Maria Kaufmann, Maximilian Maria Kaufmann, Roman Kedor, Maria Kiefer, Britta Kummer, Jean Luc, Petra Mettke, Adele Sansone, Dorothee Sargon und Jürgen Zwilling.

Die Texte wurden von allen Schreibenden kostenlos zur Verfügung gestellt – vom Erlös für diese Veröffentlichung soll das Spendenziel „helfenwiewir.at“ unterstützt werden, um so Flüchtlinge beim erfolgreichen Spracherwerb zu unterstützen.

Die Käufer von „Überall und nirgendwo“ können sich also doppelt freuen – über Lesegenuss und einen hohen Unterhaltungswert ebenso wie den positiven Einsatz so lukrierter Mittel für echte Hilfe.

 

http://www.xinxii.com/uberall-und-nirgendwo-p-370492.html

 

https://www.amazon.de/%C3%9Cberall-nirgendwo-Bernadette-Maria-Kaufmann-ebook/dp/B01HOJMS5O/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1467182931&sr=1-1

 

Leseprobe: Lebe dein Leben jetzt

Lebe dein Leben jetzt – Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter. Worte die jeder von uns schon einmal gehört hat. Aber nehmen wir sie an.

Dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein.

Mein Opa hatte damals für meine Oma eine ganz besondere Kette gekauft, die er ihr schenken wollte, aber leider kam es nie dazu.

Er hatte vor, sie ihr am Tag ihres 70 jährigen Kennenlernens zu überreichen. Schließlich war sie die Liebe seines Lebens. Alle Höhen und Tiefen hatte sie gemeinsam durchlitten. Und deshalb wollte er ihr an diesem besonderen Datum eine große Freude machen. Etwas erfüllen, was sie sich immer gewünscht hatte, aber nie bekommen.

Er hatte lange auf dieses besondere Stück gespart. Es ging ihnen zwar finanziell nie schlecht, aber große Sprünge konnten sie sich nicht leisten. Umso mehr freute er sich darauf, ihre großen Augen zu sehen.

Fast über ein Jahr versteckte er das Kästchen mit der Kette immer wieder an einem anderen Ort, damit seine Frau es nicht durch Zufall entdeckte.

Doch es kam alles anders. Zwei Wochen vor ihrem Jubiläum erkrankte meine Oma sehr schwer. Sie wurde ins Krankenhaus eingewiesen und dort stellte man fest, dass sie eine Lungenentzündung hatte. Die Ärzte taten alles, was sie konnten, aber leider vergebens. Meine Oma verstarb einen Tag vor ihrem großen Ehrentag. Ich brauche natürlich nicht groß zu erwähnen, dass für meinen Opa eine Welt zusammenbrach. Er machte sich Vorwürfe, dass er seiner Frau nie all das geben konnte, was sie sich wünschte.

Nachdem dann meine Oma beerdigt war, half ich meinem Opa dabei, die Wohnung aufzulösen. Er wollte dort einfach nicht mehr leben. Zu viele Erinnerungen quälten ihn. Er hatte sich entschlossen, in eine Seniorenresidenz zu ziehen, um dort den Rest seines Lebens zu verbringen. Weit ab von allem Kummer und Schmerz. Eine Entscheidung, die er nie bereute. Als ich eine Schublade durchstöberte, viel mir eine Schachtel in die Hände. Ich schaute ihn fragend an und so erfuhr ich die ganze Geschichte. Ich konnte nicht anders, die Tränen liefen mir übers Gesicht. Ich nahm ihn in den Arm und hielt ihn ganz fest.

Dann sagte er nur: „Hebe niemals etwas für einen besonderen Anlass auf. Jeder Tag, den du erlebst, ist besonders! Lebe dein Leben jetzt – Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter.

Worte, die ich mir sehr zu Herzen genommen habe und die mein Leben verändert haben. Immer wenn ich die Kette, die nun meinen Hals ziert, in die Hand nehme, sehe ich meinen Opa vor mir, wie er mir das sagte.

Heute lebe ich viel bewusster. Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie sowie Freunden und genieße es. Wenn ich mir etwas kaufen möchte, tue ich es und schiebe es nicht auf die lange Bank. Ich gönne mir mal Ruhe und versuche nicht zu funktionieren, nur um anderen zu gefallen. Ich lebe mein Leben hier und jetzt, weiß zu schätzen, was ich habe und freue mich darüber.

Wörter wie „irgendwann, später oder vielleicht“ habe ich aus meinem Kopf verbannt. Letztendlich hat diese Kette, diese traurige Geschichte meiner Großeltern dafür gesorgt, dass ich ein neues, bewussteres Leben begonnen habe – einen neuen Lebensabschnitt.

Vielleicht sollten auch Sie, liebe Leser einmal darüber nachdenken. Wann haben Sie das letzte Mal einem geliebten Menschen oder sich selbst eine Freude gemacht. Bedenken Sie immer, aufgeschobene Zeit ist verlorene Zeit.

© Britta Kummer